Therapeutinnen sind essenziell wichtig!

Stefanie Knauer
June 19, 2026
2 min read

Wenn psychische Gesundheit zur Nebensache wird

Warum wird die Bedeutung psychischer Gesundheit noch immer unterschätzt – und warum werden ausgerechnet die Honorare gekürzt? Dabei ist die psychische Stabilität der Bevölkerung von enormer gesellschaftlicher Bedeutung. Der häufigste Grund für Frühverrentung sind psychische Erkrankungen. Gleichzeitig warten Betroffene bereits heute monatelang auf einen Therapieplatz. Wenn diese Wartezeiten weiter steigen, hat das Folgen: Erkrankungen können chronisch werden und die Chancen auf eine vollständige Genesung sinken.

Es entsteht der Eindruck, als sei der einzelne Mensch immer weniger wert. Natürlich trägt jeder Verantwortung für sich selbst. Doch eine funktionierende Gesellschaft zeichnet sich gerade dadurch aus, dass sie auch diejenigen unterstützt, die vorübergehend nicht stark genug sind. Ein Sozialstaat basiert auf Solidarität und gegenseitiger Absicherung – nicht darauf, dass nur die Stärksten bestehen.

Psychische Erkrankungen betreffen uns alle. Etwa jeder Dritte erlebt im Laufe seines Lebens zumindest zeitweise depressive Symptome oder andere psychische Belastungen. Dass das Stigma in den vergangenen Jahren zurückgegangen ist, ist eigentlich ein Fortschritt. Mehr Menschen suchen sich Hilfe und gehen zur Therapie. Dadurch steigen zwar die Kosten, doch die Alternative wäre deutlich teurer: chronische Erkrankungen, Arbeitsausfälle und menschliches Leid.

Psychische Probleme wirken sich zudem nicht nur auf die Betroffenen selbst aus. Nicht erkannte Persönlichkeitsstörungen oder andere psychische Erkrankungen können auch im Berufsleben schwerwiegende Folgen haben. Führungskräfte treffen Entscheidungen, die Existenzen beeinflussen. Wenn Menschen sich zunehmend abgehängt fühlen und soziale Ungerechtigkeit erleben, wächst die Gefahr gesellschaftlicher Spaltung und politischer Radikalisierung.

Es stellt sich die Frage, wohin uns eine immer stärker ökonomisierte Sichtweise führt. Soll psychotherapeutische Hilfe langfristig nur noch denjenigen offenstehen, die sich eine private Krankenversicherung oder hohe Eigenleistungen leisten können? Psychische Gesundheit darf kein Luxusgut werden. Eine solidarische Gesellschaft misst sich daran, wie sie mit ihren Schwächsten umgeht – denn letztlich profitieren wir alle von einem System, das Menschen auffängt, statt sie zurückzulassen.

Share this post